Aktuelles


12.06.2019

Afrikanische Schweinepest – unterschätztes Risiko für Ackerbau


22.05.2019

von Dr. Markus Berneiser

Afrikanische Schweinepest und Ackerbau – wie passt das zusammen? Bei Maul- und Klauenseuche und Rindern, Vogelgrippe und Geflügel oder Dürre und Ackerbau ist der Zusammenhang hingegen jedem Fachkundigen sofort klar. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hochinfektiöse anzeigepflichtige Tierseuche und breitet sich innerhalb und außerhalb der EU aus. Der Ausbruch der ASP im Herbst 2018 in Belgien zeigt, dass der befürchtete Sprung über große Entfernungen jederzeit möglich ist. Bis dato galten infizierte Wildschweine als die wahrscheinlichste Eintragsquelle. Die Seuchenfälle in Belgien verdeutlichen jedoch, dass menschliches Fehlverhalten, wie beispielsweise das Wegwerfen von fleischhaltigen Speiseresten in die Natur, die Einschleppung der Seuche massiv beeinflussen kann.

Mit dem Auftreten der ASP im Südosten Belgiens ist die Einschleppung in deutsche Grenzgebiete durch migrierende infizierte Wildschweine wahrscheinlicher geworden. Demzufolge schätzt das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/ das Risiko als hoch ein. Auch die deutschen Schweinehalter zeigen sich besorgt – rund die Hälfte rechnet hierzulande mit einem Ausbruch der Tierseuche. 

ASP und Ackerbau – wie passt das zusammen?

ASP und Schweine, das ist naheliegend. Aber, und das müssen sich nicht nur die Schweinehalter, sondern alle Landwirte bewusstmachen, auch für den Ackerbau besteht durch die Afrikanische Schweinepest ein erhebliches Risiko. Denn bei einem ASP-Ausbruch in der Wildschweinepopulation liegt das primäre Ziel der Seuchen­bekämpfung darin, dafür Sorge zu tragen, dass möglicherweise infizierte Wildschweine ihr Habitat nicht verlassen.

Um das sicherzustellen, richten die Behörden bei einem Fund eines verdächtigen oder infizierten Wildschweines Gefährdungsbezirke ein. In diesen Gefährdungsbezirken können Jagdverbote, Begehungsverbote und für bestimmte Flächen auch Ernte- und Bearbeitungsverbote angeordnet werden. Der Radius eines Gefährdungsbezirkes kann gemäß Tiergesundheitsgesetz bis zu 15 Kilometer betragen. Für einen landwirtschaftlichen Betrieb bedeutet das im ungünstigsten Fall, dass große Teile oder sogar die gesamte Nutzfläche nicht oder nur sehr eingeschränkt bearbeitet werden dürfen.

Auswirkungen auf die betroffenen Landwirte

Was bedeutet das für die Ackerbaukulturen, die hiervon betroffen sind? Die Flächen dürfen weder bestellt, noch bearbeitet und auch nicht abgeerntet werden – und das möglicherweise für mehrere Monate. Daraus entstehen wirtschaftliche Nachteile durch Mindererträge, weil Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen nicht wie erforderlich durchgeführt werden können. Geringere Erntemengen, Qualitätseinbußen oder sogar der Totalausfall der Ernte sind die unmittelbare Folge. Darüber hinaus können sich die behördlichen Restriktionen auch mittelfristig auswirken, wenn beispielsweise die Fruchtfolge verändert werden muss (z. B. Sommerungen anstatt geplanter Wintergetreide).

Zwar plant der Gesetzgeber zum Ausgleich staatliche Entschädigungsleistungen auf Länderebene, aber noch ist hierzu keine Entscheidung gefallen. Erfahrungsgemäß ist nicht davon auszugehen, dass die Leistungen ausreichen werden, den Schaden zu kompensieren – insbesondere, wenn er sich auch auf zukünftige Vegetationsperioden auswirkt.

 

Gunnar Brattke
Generalagentur der R+V Versicherungsgruppe                                 


Druckversion