Aktuelles


26.06.2019

Deutsch-polnisches Arbeitstreffen in Stettin


Am Donnerstag, den 06. Juni 2019 trafen sich  der Deutsch-polnische Beirat unseres Verbandes mit den Amtstierärzten des Landkreises Anklam und des Landkreises  Stettin, mit dem Direktor des Westpommerschen Beratungszentrums in Barzkowice, einem Vertreter des Woiwodschaftamtes Stettin und des polnischem Forstamtes sowie ein Mitarbeiter des Regionalamtes für Umwelt und Naturschutz. Diesmal hatten wir das Treffen in der Stettiner Universität, Fakultät Biotechnologie und Tierproduktion, organisiert. Es wurden viele Fachthemen, wie zum Beispiel Dürrehilfe in Polen und in Deutschland, ASP aktuelle Lage bis hin zum Thema Schutz vor dem Wolf besprochen.

 

In Polen gibt es ein Dürre Monitoringsystem www.susza.iung.pulawy.pl/system/. Ziel des Monitoring ist es, die Gebiete u.a. mit Satteliten  zu benennen, die von Dürreverlusten beim Anbau betroffen sind. Es werden vom 21.03. bis 30.09.  vierzehn Berichte erstellt, welche den Zustand der Schläge dokumentiert.

Im Jahr 2018 waren in der Woiwodschaft Westpommern 14800 Landwirtschaftsbetriebe von der Dürre stark betroffen.

Die polnischen Landwirte konnten einen Antrag (plus Schadensbericht) auf Unterstützung bei der Agentur für Umstrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft stellen.

  1. Bei Verluste (außer Weide und Wiesen) von über 70 %  bekommt der Landwirt
    1000 zl pro ha – Voraussetzung ist aber der Abschluss einer Dürrehilfeversicherung vor Anbau. Bei Verluste (außer Weide und Wiesen) von über 70 % aber ohne Abschluss einer Dürrehilfeversicherung bekommt der Landwirt 500 zl pro ha.
  1. Bei Verluste zwischen 30 % bis 70 % bekommt der Landwirt 500 zl pro ha – Voraussetzung ist aber der Abschluss einer Dürrehilfeversicherung vor Anbau. Bei Verluste  zwischen 30 % bis 70 % aber ohne Abschluss einer Dürrehilfeversicherung bekommt der Landwirt 250 zl pro ha.


Außerdem konnten die Landwirte noch andere finanzielle Hilfe bekommen. Das waren unter anderem Zuschüsse zu den Zinsen, Kreditzuschüsse. 

 

Versicherung in der polnischen Landwirtschaft

Ein staatlicher Zuschuss wird in Höhe von 65 % des Versicherungsbeitrages je Hektar bei Anbau von Getreide, Mais, Raps im Jahr 2018 gewährleistet. Dieser staatliche  Zuschuss geht direkt an 5 Versicherungsgesellschaften, die durch das landwirtschaftliche Ministerium anerkannt sind. 

Das gleiche gilt bei der Zucht von Vieh, Pferden, Schafen, Ziegen und  Schweinen. Hier sind es auch bis 65 % Versicherungsbeitrag pro Stück Vieh. Auch dieser Zuschuss 65 % geht direkt an die 5 Versicherungsgesellschaften.

Außerdem gibt es bestimmte Tarifsätze in Höhe von 9 %, 12 %, 15 %, welche von der Anzahl der versicherten Risiken wie  z.B. Hagel, Dürre, starken Regenfall usw. abhängt.

 

Folgende 5 Versicherungsgesellschaften, die durch das landwirtschaftliche Ministerium anerkannt sind:

  1. PZU S.A. mit Sitz in Warschau
  2. „TUW“ mit Sitz in Warschau
  3. Concordia Polska mit Sitz in Posen
  4. Pocztowe Towarzystwo Ubezpieczeń Wzajemnych mit Sitz in Warschau
  5. Inter Risk S.A. mit Sitz in Warschau

 

Die maximale Versicherungssumme (Kappung) für landwirtschaftliche Kulturen in 2018 für 1 ha:

a)      Getreide 10 650,00 Zloty

b)      Mais 8450,00 Zloty

c)       Raps 9900,00 Zlot

d)      Hopfen 56 050,00  Zloty

e)      Gemüse 129 600,00 Zloty

f)       Erdbeeren 84 500,00 Zloty

g)      Kartoffeln 25 000,00 Zloty

h)      Zuckerrüben 9900,00 Zloty

i)        Hülsenfrüchte 14 400,00 Zloty

 

Pro 1 Stück Tier:

a)      Rinder 14 000,00 Zloty

b)      Pferde 10 200,00 Zloty

c)       Schafe 700,00 Zloty

d)      Ziegen 700,00 Zloty

e)      Schweine 1 740,00 Zloty

 

Wichtiges Thema dieses Treffens war die Afrikanische Schweinepest (ASP), die derzeitige aktuelle Lage in Polen und ein Informationenaustausch zu den Präventionsmaßnahmen.

Seit 2014 ist die Zahl der bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Polen sprunghaft angestiegen. Aktuelle Fälle  wurden in den Woiwodschaften Podlachien und Masowien festgestellt.

Aufgrund der aktuellen Tierseuchensituation von ASP werden in Polen verschärfte Biosicherheitsmaßnahmen entwickelt. Das Biosicherheitsprogramm beinhaltet unter anderem folgende Maßnahmen: die Population der Wildschweine soll drastisch durch Bejagung reduziert werden. Der Amtstierarzt bietet Schulungen für alle sozialen Gruppen: Jäger, Tierärzte von Privatpraxen und Ämtern, Angestellte von Fleischverarbeitungsbetrieben. Außerdem sollten die  Vorschriften verändert werden, die eine Bejagung von Wildschweinen erleichtern. Das sind z.B.  schallgedämpfte Jagdwaffen und Nachtsichtgerät, welche offiziell genehmigt werden müssten.

 

Bei einem toten Schwein überlebt das Virus einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten. Leider sind verschiedene ökologische Gremien, wie z.B. Green Peace,  gegen eine starke Bejagung. Eine weitere Maßnahme ist die Unterbringung der Hausschweine in geschlossenen Ställen, die Verwendung von betriebseigener und sicherer Arbeitskleidung. 

 

Herr Dr. Vogel erklärte anhand einzelner Beispiele, wie die Problematik ASP aktuell von deutscher Seite aus angegangen wird. Deutschland hat eine  Tierseuchenkasse welche bei Befall eine Ausgleichszahlung tätigt. Dies ist ein großer Vorteil für die deutschen Tierhalter. Leider gibt es in Polen so was nicht. Dadurch werden hier manche Ausbrüche (wie z.B. Trichinellose) einfach verheimlicht.

 

Weitere Themen war Jagdgesetz und Wildschadenausgleichregelungen. Dank Herrn Ralf Schröder,  Gutachter für Wildschadenausgleichregelungen, haben polnische Teilnehmer einen Blick von Deutscher Seite aus bekommen.

Im Polen gibt es 5 Tierarten, die unter Naturschutz stehen und diese verursachen Schäden in der Landwirtschaft. Das ist Biber, Wisent, Braunbär, Luchs und Wolf. Natürlich werden Entschädigungen bezahlt. Die Wolfsbestände sind erheblich größer geworden. Das Regionalamt für Umweltschutz und Naturschutz ist für Monitoring von Wolfsschäden zuständig. Im Jahr 2018 wurden beispielsweise 18 Anträge im Schadenswert von 17 000 Zloty gestellt. Verlust 30 Schafe, 6 Kühe, 1 Pferd, 5 Dammwild, 3 verletzte Schafe.

 

Das Arbeitstreffen war sehr informativ für beide Seiten.  Weiterhin vereinbarten die Teilnehmer eine dauerhafte enge Zusammenarbeit und eine Beteiligung an regelmäßig stattfindenden Arbeitsgesprächen zwischen Polen und Deutschland. Nochmal vielen Dank an Herrn Dr. Vogel und Herrn Schröder für die fachliche Unterstützung.


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